, Leiter Kommunikation & Aktuariat

Humanbiologie und Erste Hilfe

Angewandte Biologie im Unterricht der Tagesstruktur der Jugendstätte Bellevue

Die Jugendstätte Bellevue in Altstätten SG ist eine Institution der stationären Jugendhilfe, die weibliche Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren aufnimmt. In einer geschlossenen Intensivgruppe und zwei offenen Wohngruppen sowie verschiedenen Tagesstrukturbereichen (einschliesslich interner Schule) werden die Mädchen und jungen Frauen bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben begleitet und unterstützt.

Viele der Jugendlichen haben in ihrer vorangegangen Schulzeit schlechte Erfahrungen mit Lernerfolg, insbesondere mit Prüfungssituationen gemacht und so wurde bei ihnen ein schlechtes Bild von Schule geprägt. Dies wirkt sich negativ auf das Selbstvertrauen und das Selbstbild der Jugendlichen aus. In der Tagesstruktur der Jugendstätte Bellevue sollen die Schülerinnen einen positiven Schulalltag mit kleinen und grossen Erfolgen im Alltag erleben dürfen und so ihr Selbstvertrauen stärken können. Mit dem Projekt „Humanbiologie und Erste Hilfe“ wurde an dieser Thematik gearbeitet und schlussendlich konnten die Jugendlichen erfolgreich ein offizielles Zertifikat «BLS-AED» der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG erwerben.

In den Monaten Mai und Juni setzten sich die Schülerinnen der Jugendstätte Bellevue im Rahmen der NMG-Stunden (Natur-Mensch-Gesellschaft) mit dem menschlichen Körper auseinander. In der Theorie wurden der Aufbau und die Funktionen verschiedener Köperteile angeschaut. In Zusammenarbeit mit der Sektion Mittelrheintal der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG machten sich die Jugendlichen parallel dazu mit Nothilfe und lebensrettenden Massnahmen vertraut. Im Fokus standen dabei stets der Eigenschutz, die persönlichen Grenzen und der Umgang mit herausfordernden Situationen. Die Grundlagen der Wiederbelebung wurden gelehrt und mittels theoretischem Wissen zu Herz und Herzkreislauf vertieft. Eine Jugendliche äusserte sich dazu: „Im praktischen Teil haben wir angeschaut, was bei einem Herzstillstand unternommen werden muss und haben an den Puppen Fred und James geübt.“ Dabei kamen diverse Defibrillatoren und andere Hilfsmittel wie Ambu-Beutel oder Beatmungstücher zum Einsatz. Langsam kamen die Jugendlichen dem Ziel näher, korrekt eine zehnminütige Reanimation mittels Thorax-Kompressionen und Beatmung durchzuführen. Als es um die Thematik „Haut“ ging, floss nicht nur künstliches Blut, sondern auch der Umgang mit Verbrennungen und die Immobilisation von Extremitäten wurden geübt. Nebst dem Aufbau des Hirnes und den Hirnfunktionen lag ein besonderes Augenmerk auf dem Erkennen eines Hirnschlags, ist dies doch die dritthäufigste Todesursache in der Schweiz. „Taubheitsgefühl, verwaschene Sprache, Lähmungen und starke Kopfschmerzen können Anzeichen eines Hirnschlags sein. Wir haben gelernt, dass bei einem Hirnschlag jede Minute zählt!“, so die Ausführungen einer Schülerin. In diversen Fallbeispielen im und um die Jugendstätte Bellevue herum übten sich die Jugendlichen im Beurteilen und Meistern unterschiedlichster Situationen aus den Bereichen der Not- und Ersten Hilfe. Anfängliche Berührungsängste konnten abgebaut werden und die Jugendlichen handelten immer ruhiger und sicherer.

Schlussendlich absolvierten die Schülerinnen bei ihrer Klassenlehrperson in der Schule eine schriftliche Prüfung, wobei alle Jugendliche hervorragende Ergebnisse erzielten. Nebst den biologischen Aspekten wurden Fragen zum Thema Beurteilung von Patienten, Herangehensweise an herausfordernde Situationen und wichtige Notfalltelefonnummern abgefragt. Die praktische Prüfung fand bei einer BLS-AED-Expertin der SLRG Sektion Mittelrheintal satt. Nun galt es, das Erlernte unter Druck und Beobachtung einer externen Fachperson umzusetzen, Fragen zu Handlungsweisen mündlich zu beantworten und unterschiedliche Fallbeispiele zu meistern.

Allen Jugendlichen, welche ein von der Swiss Resuscitation Council (SRC) anerkanntes Zertifikat BLS-AED anstrebten, konnte dieses zum Schluss überreicht werden. An dieser Stelle gratulierten wir allen Modul BLS-AED-Absolventinnen herzlich zur erbrachten Leistung.

Ein grosses Dankeschön gebührt der Vereinsleitung der SLRG Sektion Mittelrheintal und ihrer Kursleiter, welche durch ihre flexible Einsatzbereitschaft und das Bereitstellen des Materials diesen Kurs in der Jugendstätte Bellevue erst ermöglicht haben. Dank ihnen durften die Schülerinnen ein spezielles Erfolgserlebnis haben und können stolz auf sich und ihre Leistung sein.

 

Text und Bilder:

Jugendstätte Bellevue, Benedikt Lehner, Alte Landstrasse 6b, 9450 Altstätten